Arztpraxis gründen 2026 — der Schritt-für-Schritt-Leitfaden für angehende Praxisinhaber
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Eine eigene Arztpraxis zu gründen ist eine der größten unternehmerischen Entscheidungen, die ein Mediziner im Berufsleben trifft. Zwischen Zulassungsverfahren, Standortanalyse, Finanzierung, Personalaufbau und IT-Infrastruktur liegen Monate intensiver Vorbereitung. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was angehende Praxisinhaber 2026 wissen müssen — von der ersten Standortprüfung bis zur Eröffnung.
Eine Praxis zu gründen ist anders als ein klassisches Unternehmen zu starten. Die regulatorischen Hürden sind höher, die Vorlaufzeit länger, und die Investitionen sind erheblich. Gleichzeitig ist die Niederlassung in eigener Praxis für viele Ärzte der natürliche Karriereschritt nach mehreren Jahren in Klinik oder Anstellung — und die Voraussetzungen sind 2026 in vielen Fachbereichen so günstig wie selten zuvor: Demografisch scheiden zahlreiche Praxisinhaber aus, der Patientenbedarf steigt, und digitale Werkzeuge machen die Praxisführung effizienter als je zuvor.
Dieser Leitfaden geht durch alle wesentlichen Schritte einer Praxisgründung in Deutschland. Er ersetzt keine individuelle Beratung durch Steuerberater, Anwalt oder Praxisberater — aber er gibt einen klaren Überblick darüber, was wann zu tun ist.
Die zwei grundlegenden Wege: Neugründung oder Übernahme
Wer eine Arztpraxis betreiben will, hat im Prinzip zwei Möglichkeiten:
Weg 1 — Neugründung: Eine komplett neue Praxis aufbauen. Dieser Weg ist für Privatärzte und in unterversorgten Planungsbereichen für Vertragsärzte realistisch. In gesperrten Planungsbereichen (das betrifft die meisten städtischen Regionen) ist eine Neugründung als Vertragsarzt nur in Ausnahmefällen möglich.
Weg 2 — Praxisübernahme: Eine bestehende Praxis übernehmen. In gesperrten Planungsbereichen ist das praktisch der einzige Weg zur vertragsärztlichen Tätigkeit. Der Vorteil: Patientenstamm, Räumlichkeiten und meist auch Personal sind vorhanden. Der Nachteil: Man übernimmt auch alte Strukturen, veraltete Software und möglicherweise einen schwerfälligen Datenbestand.
In der Praxis ist die Übernahme der häufigere Weg. Laut KBV-Daten werden in Deutschland jährlich rund 5.000 Arztsitze übergeben. Die Vertragsverhandlung dauert oft Monate, und der Kaufpreis bewegt sich je nach Fachrichtung und Standort in einer Spanne von 50.000 bis über 500.000 Euro für den ideellen Wert (Patientenstamm und Goodwill).
Schritt 1: Fachrichtung und Versorgungsform klären
Bevor Standort und Finanzierung in den Blick kommen, müssen zwei strategische Entscheidungen fallen.
Welche Fachrichtung? In den meisten Fällen ergibt sich das aus der eigenen Facharzt-Weiterbildung. Aber innerhalb des Fachbereichs gibt es Spielräume — etwa bei orthopädischen Praxen die Frage nach Schwerpunkten wie Sportmedizin, manueller Therapie, Stoßwellentherapie oder operativen Eingriffen.
Welche Versorgungsform? Hier gibt es mehrere Optionen:
Reine Privatpraxis: Keine Zulassung der KV nötig. Patienten zahlen nach GOÄ. Höhere Honorare pro Leistung, aber begrenzte Patientenzahl. Ideal für bestimmte Fachrichtungen wie Dermatologie, Orthopädie, Plastische Chirurgie, ästhetische Medizin. Auch für Privatärzte mit klar positioniertem Leistungsspektrum.
Vertragsarztpraxis (mit KV-Zulassung): Volle Versorgung gesetzlich Versicherter, geregelt durch KV. Höherer Patientendurchsatz, aber regulierte Honorare. Voraussetzung: freier Sitz im Planungsbereich oder Übernahme.
Privatpraxis mit Beteiligung an gesetzlicher Versorgung: Hybridmodelle, etwa über Selektivverträge oder DMP-Programme. Komplex, aber für manche Fachrichtungen wirtschaftlich attraktiv.
MVZ-Anstellung oder MVZ-Gründung: Ärzte arbeiten in einem Medizinischen Versorgungszentrum, entweder angestellt oder als Mitgesellschafter. Geteiltes Risiko, geteilte Verantwortung.
Die Entscheidung beeinflusst alles Folgende — von der Standortwahl über die Finanzierung bis zur IT-Infrastruktur.
Schritt 2: Standortanalyse und Räumlichkeiten
Der Standort ist einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren einer Praxis. Eine sorgfältige Analyse umfasst mindestens vier Dimensionen:
Bedarfsplanung der KV: Für Vertragsarztsitze ist die Bedarfsplanung der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung der erste Anlaufpunkt. Hier wird nach Versorgungsgrad in Planungsbereiche unterteilt — von "unterversorgt" bis "deutlich überversorgt". Eine Niederlassung in unterversorgten Bereichen wird oft mit Förderprogrammen unterstützt.
Demografische Analyse: Welche Altersstruktur hat die Bevölkerung im Einzugsgebiet? Wo wohnen die Zielpatienten? Bei einer dermatologischen Privatpraxis sind kaufkräftige urbane Bezirke entscheidend — bei einer Hausarztpraxis ländliche Regionen mit älterer Bevölkerung.
Wettbewerbsanalyse: Wie viele Praxen der gleichen Fachrichtung gibt es bereits im Umkreis? Wer sind die Hauptwettbewerber, und wie positionieren sie sich? Die Wartezeiten für einen Termin in den umliegenden Praxen sind ein guter Indikator: Liegen sie über sechs Wochen, gibt es Bedarf.
Räumliche Anforderungen: Eine Arztpraxis braucht mehr als ein Sprechzimmer. Empfangsbereich, Wartezimmer, Behandlungszimmer, Untersuchungsräume, Sterilisations-/Versorgungsraum, Personalraum, Archiv und Sanitärräume. Der Flächenbedarf liegt bei 100-300 Quadratmetern, je nach Fachrichtung. Barrierefreiheit ist seit der UN-Behindertenrechtskonvention zunehmend Standard und in vielen Bauordnungen Pflicht.
Beim Mietvertrag sollte die Laufzeit zur Investitionsplanung passen — bei Investitionen in Bau und Einrichtung sind Laufzeiten von zehn Jahren oder mehr üblich.
Schritt 3: Zulassung und rechtliche Grundlagen
Die regulatorischen Schritte sind komplex und unterscheiden sich je nach Versorgungsform.
Für reine Privatpraxen:
Approbation und Facharztanerkennung müssen vorliegen
Eintragung ins Arztregister bei der Ärztekammer
Anmeldung beim Finanzamt (freiberufliche Tätigkeit)
Berufshaftpflichtversicherung
Gewerbeanmeldung in der Regel nicht nötig (freier Beruf)
Für Vertragsärzte zusätzlich:
Zulassung durch den Zulassungsausschuss der KV
Eintragung ins Arztregister
KV-Mitgliedschaft
Bei Praxisübernahme: Nachbesetzungsverfahren mit anderen Bewerbern
Praktische Aspekte, die oft übersehen werden:
Hygieneplan und Begehung durch das Gesundheitsamt
Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI)
Datenschutzbeauftragte/r benennen (ab einer bestimmten Praxisgröße verpflichtend)
Verträge mit Laboren, Apotheken, Lieferanten
Der gesamte Zulassungsprozess dauert je nach Region und Fachrichtung 6-18 Monate. Eine frühzeitige Planung ist entscheidend.
Schritt 4: Finanzierung — was eine Praxis wirklich kostet
Die Investitionen einer Praxisgründung lassen sich grob in vier Blöcke unterteilen.
Praxiskauf bzw. Goodwill (bei Übernahme): 50.000-500.000 Euro je nach Fachrichtung, Standort, Patientenstamm. Bei Neugründungen entfällt dieser Block, dafür sind die laufenden Anlaufkosten höher.
Einrichtung und medizinische Geräte: Je nach Fachrichtung 50.000-300.000 Euro. Die Spanne ist groß — eine reine Privatpraxis Allgemeinmedizin kommt mit deutlich weniger aus als eine Orthopädie mit Sonografie, Röntgen und Stoßwellengerät, oder eine Dermatologie mit Lasertechnik.
IT-Infrastruktur, Praxissoftware, TI-Anbindung: Je nach gewählter Software-Lösung sehr unterschiedlich. Hier ist die Entscheidung Cloud vs. lokaler Server zentral — Cloud-Lösungen reduzieren die Anfangsinvestition erheblich, weil keine Server-Hardware angeschafft werden muss.
Anlauf- und Betriebsmittelreserve: In den ersten 6-12 Monaten nach Eröffnung läuft eine Praxis selten kostendeckend. Eine finanzielle Reserve für laufende Fixkosten (Miete, Personal, Versicherungen) sollte in der Kalkulation berücksichtigt werden.
Die Gesamtinvestition liegt typischerweise zwischen 200.000 Euro (kleine Privatpraxis) und über 1 Million Euro (Facharztpraxis mit teurer Apparatur). Standardfinanzierungswege sind:
KfW-Programm "ERP-Gründerkredit"
Apothekerbank, Deutsche Ärzte- und Apothekerbank, andere Spezialbanken
Förderprogramme der Länder, besonders bei Niederlassung in unterversorgten Gebieten
KV-Förderungen (z.B. Niederlassungszuschüsse in ländlichen Regionen)
Eine Bank verlangt einen detaillierten Businessplan mit Investitionskalkulation, Liquiditätsplanung und Umsatzprognose. Hier lohnt sich der frühe Kontakt zu einem auf Heilberufe spezialisierten Steuerberater.
Schritt 5: Personal aufbauen
Eine Arztpraxis braucht in der Regel mindestens zwei MFAs — bei Vollbetrieb oft drei bis fünf, je nach Fachrichtung und Patientendurchsatz. Die Personalsuche ist 2026 eine der größten Herausforderungen: Offene MFA-Stellen bleiben in vielen Regionen monatelang unbesetzt.
Drei strategische Konsequenzen für die Praxisplanung:
Erstens — Personalkosten realistisch kalkulieren. Eine MFA-Stelle kostet eine Praxis voll mit Lohn, Sozialabgaben, Urlaub und Krankheitsausfällen erheblich mehr als das Bruttogehalt. Praxen kalkulieren in der Regel mit dem Anderthalbfachen des Bruttogehalts.
Zweitens — frühzeitig rekrutieren. Die Personalsuche sollte spätestens 4-6 Monate vor Praxiseröffnung beginnen. Wer erst nach Eröffnung sucht, hat ein Stabilitätsproblem von Anfang an.
Drittens — Digitalisierung als Personalstrategie. Wenn ein KI-Telefonassistent Routineanrufe übernimmt, eine digitale Anamnese die manuelle Erfassung ersetzt, und automatische Arztbriefe die Tipparbeit eliminieren, kommt eine Praxis möglicherweise mit einer MFA weniger aus. Das ist 2026 keine theoretische Überlegung mehr — es ist gelebte Realität in vielen Privatpraxen, die sich für moderne Praxissoftware entschieden haben.
Schritt 6: IT-Infrastruktur und Praxissoftware
Die Wahl der Praxisverwaltungssoftware (PVS) ist eine der wichtigsten Entscheidungen einer Neugründung — und gleichzeitig eine, die viele Gründer auf den letzten Drücker treffen. Das ist riskant, weil die Software den Praxisalltag jahrelang prägen wird.
Was eine moderne Praxissoftware 2026 leisten sollte:
Cloud-basiert oder zumindest cloud-fähig (keine teuren lokalen Server)
Online-Terminbuchung integriert
Digitale Anamnese vor dem Termin
KI-gestützte Dokumentation (Echtzeit-Transkription)
Automatische Arztbriefgenerierung
GOÄ- bzw. EBM-Abrechnung mit KI-Unterstützung
Anbindung vorhandener Geräte über GDT, LDT, DICOM
Telematikinfrastruktur-Anbindung (eGK, eAU, eRezept, ePA)
DSGVO-konformes Hosting in Deutschland
Wichtig: Die einmalige Entscheidung für eine Software hat eine Halbwertszeit von 5-10 Jahren. Ein späterer Wechsel ist möglich, aber aufwändig — Datenmigration, Schulung, Übergangsphasen. Eine sorgfältige Auswahl am Anfang spart viel Aufwand.
Privatpraxen sollten besonders darauf achten, dass die Software für Privatabrechnung optimiert ist und nicht durch GKV-spezifische Funktionen überladen wird. Spezialisierte Lösungen wie ClinicOS sind hier strukturell im Vorteil.
Schritt 7: Marketing und erste Patientengewinnung
Bei einer Praxisübernahme ist der Patientenstamm vorhanden. Bei einer Neugründung muss er aufgebaut werden — und das funktioniert anders als noch vor 10 Jahren.
Was 2026 funktioniert:
Eine moderne, mobil-optimierte Praxiswebsite. Patienten suchen Ärzte zunehmend online; eine Website ohne Online-Terminbuchung wirkt veraltet.
Online-Terminbuchung. Reduziert Telefonaufwand und macht die Praxis 24/7 erreichbar.
Google Business Profil. Patienten finden Praxen vor allem über lokale Google-Suchen.
Patientenbewertungen. Aktive Bewertungsstrategie auf Jameda und Google.
Lokale Vernetzung. Hausärzte, Apotheken, andere Fachkollegen als Überweisungspartner.
Was 2026 weniger funktioniert:
Klassische Print-Anzeigen (außer in sehr regionalen Zielmärkten)
Reine "Eröffnungsanzeigen"
Marketing ohne digitale Komponente
Für Privatpraxen ist Marketing sogar regulatorisch leichter: Die strikten Werbebeschränkungen der Berufsordnung gelten zwar, aber sachliche Information über die Praxis und ihre Leistungen ist erlaubt.
Wie ClinicOS bei der Praxisgründung unterstützt
ClinicOS wurde aus einer eigenen Privatarztpraxis heraus entwickelt — die Anforderungen einer Praxisgründung sind im Produkt direkt eingeflossen. Konkret unterstützt ClinicOS bei einer Neugründung in mehreren Punkten:
Niedrige Anfangsinvestition: Als Cloud-Lösung entfällt die Anschaffung eigener Server. Die Software läuft im Browser, auf jedem Gerät — was die IT-Infrastrukturkosten zur Eröffnung erheblich senkt.
Schnelle Einrichtung: ClinicOS lässt sich in 2-4 Wochen einrichten, inklusive Anbindung der TI, der Geräte über GDT/LDT/DICOM und Schulung des Praxisteams.
Personaleffizienz von Anfang an: Mit integriertem KI-Telefon, digitaler Anamnese, automatischer Arztbrieferstellung und KI-gestützter Abrechnung kommt eine Neugründung oft mit weniger MFA-Stellen aus, als klassische Praxen vergleichbarer Größe brauchen würden.
Spezielle Privatpraxis-Version: Privatärzte arbeiten nicht mit GKV-Funktionen, die andere Systeme überladen. ClinicOS bietet eine eigene Version, die nur die Funktionen enthält, die Privatpraxen tatsächlich brauchen.
Persönliche Beratung: Statt eine Generic-Demo zu durchlaufen, bekommen Praxisgründer eine individuelle Erstberatung, in der die spezifischen Anforderungen der geplanten Praxis durchgesprochen werden.
Wer eine Praxisgründung plant und prüfen möchte, wie eine moderne Praxissoftware den Aufbau erleichtert, kann eine kostenlose Erstberatung mit Live-Demo buchen.
Häufige Fragen zur Praxisgründung
Wie lange dauert eine Praxisgründung? Realistisch sind 9-18 Monate von der ersten Standortprüfung bis zur Eröffnung. Bei einer Praxisübernahme können die Verhandlungen und Zulassungsverfahren auch länger dauern. Wer eine Neugründung plant, sollte mindestens ein Jahr Vorlauf einplanen.
Brauche ich für eine Privatpraxis eine KV-Zulassung? Nein. Privatpraxen können ohne Kassenzulassung betrieben werden, sofern keine gesetzlich Versicherten regulär behandelt werden. Eine reine Privatpraxis ist auch in gesperrten Planungsbereichen möglich.
Was kostet die Gründung einer Arztpraxis? Die Gesamtinvestition reicht typischerweise von 200.000 Euro für eine kleine Privatpraxis bis weit über 1 Million Euro für eine apparatestarke Facharztpraxis. Die größten Kostenblöcke sind Goodwill bzw. Praxiskauf, medizinische Geräte und Einrichtung. Eine individuelle Kalkulation mit einem auf Heilberufe spezialisierten Steuerberater ist unverzichtbar.
Lohnt sich eine Privatpraxis wirtschaftlich? In der Regel ja, wenn der Standort und die Fachrichtung passen. Privatpraxen erzielen pro Patientenkontakt deutlich höhere Honorare als Vertragsarztpraxen, haben aber auch geringere Patientenzahlen. Welche Variante lukrativer ist, hängt stark von Fachrichtung und Region ab.
Welche Praxissoftware ist für Neugründer am besten geeignet? Cloud-basierte, KI-gestützte Lösungen sind 2026 die strukturell beste Wahl. Sie haben niedrigere Anfangsinvestitionen, bessere Effizienz und sind technisch zukunftssicher. Bei der Auswahl sollten Privatpraxen explizit auf Privatpraxis-Versionen achten.
Was passiert, wenn ich später die Praxis verkaufen will? Eine professionell aufgebaute Praxis hat einen Wiederverkaufswert. Der ideelle Wert (Patientenstamm) ist je nach Fachrichtung 30-100 Prozent des Jahresumsatzes. Wer von Anfang an digital und strukturiert arbeitet, hat beim Verkauf einen Vorteil — saubere digitale Patientenakten und übersichtliche Abrechnungen erleichtern die Übergabe und steigern den Wert.
Kann ich eine Praxis im Nebenerwerb betreiben? Grundsätzlich ja, aber für reine Privatpraxen einfacher als für Vertragsarztpraxen. Bei einer KV-Zulassung gibt es Mindestsprechstunden-Anforderungen. Eine Beratung mit der Ärztekammer und der KV vor der Planung ist wichtig.

Dr. Sohrab Shojaei Khatouni
CEO
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